Motivation und Ziele
Durch den Umbau des Energiesystems mit den Zielen von Dekarbonisierung, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und – aktuell wie lange nicht – Bezahlbarkeit ergeben sich neue technische und gesellschaftliche Herausforderungen aber auch Chancen für den Energiesektor.
Die Balance zu finden zwischen zunehmend fluktuierender, erneuerbarer Stromerzeugung einerseits und steigendem Verbrauch durch Elektrifizierung des Wärme- und Mobilitätssektors andererseits wird immer herausfordernder. Durch die Volatilität der erneuerbaren Stromerzeugung wird mehr Flexibilität im Stromnetz benötigt, durch die Elektrifizierung des Wärme- und Mobilitätsbereichs ist prinzipiell auch mehr Flexibilität vorhanden. Für die effiziente Koordinierung dieser Flexibilitäten als Teil eines aktiven Verteilnetzbetriebs braucht es allerdings Netztransparenz und Steuerbarkeit. Die Digitalisierung der Netze und die Sektorkopplung zwischen Strom-, Wärme- und Gasnetzen sowie dem Mobilitätssektor erlaubt größere Freiheitsgerade im Betrieb und erschließt Effizienz- und Optimierungspotenziale. In diesem Zusammenhang wird auch Cyber Security, also der Schutz vor und die Abwehr von Angriffen auf die IT-Systeme, die die Stromnetze steuern, immer wichtiger.
In all diesen Bereichen entstehen aktuell neue Lösungen für die Energienetze – als Konzepte an Hochschulen aber auch zunehmend in Form kommerziell verfügbarer Produkte. Erfreulicherweise haben sich hier in den letzten Jahren auch junge Startup-Firmen als Innovationstreiber hervorgetan.
Durch die zahlreichen neuen Technologietrends – von Erneuerbaren Energien über Batteriespeicher bis hin zu Data Analytics und Künstlicher Intelligenz – und den damit verbundenen neuen Möglichkeiten in vielen Bereichen, bleibt die Energietechnik auch weiterhin ein spannendes Betätigungsfeld für junge Absolventinnen und Absolventen der Ingenieurwissenschaften.
Die ETG bündelt mit ihren mehr als 9.000 Mitgliedern die energietechnische Fachkompetenz in Deutschland und ist somit prädestiniert, um die Antworten auf die technischen Herausforderungen der Energiewende zu formulieren und die sich ergebenden Chancen auch voll zu nutzen. Sie liefert so einen bedeutenden Beitrag zur Umsetzung der Energiewende.
Ich sehe meine Aufgabe in der ETG darin,
- den Know-how-Transfer aus der Forschung an den Hochschulen in die Praxis zu intensivieren. Studien zur Energiewende allein bringen uns noch nicht ans Ziel. Die konkrete Umsetzung der Energiewende muss mit Wissenstransfer aus den Hochschulen weiterhin unterstützt werden. Gerade Energietechnik-Startups geben mittlerweile wichtige Impulse und erhöhen so auch die Attraktivität für Nachwuchskräfte, sich beruflich im Energiebereich zu engagieren.
- die Nachwuchsgewinnung für VDE und ETG zu stärken. Hierfür braucht es attraktive, zeitgemässe Angebote für StudentInnen und AbsolventInnen an den technischen Hochschulen. Ab diesem Jahr unterstütze ich dies auch konkret und lokal als VDE Vertrauensdozent an der RWTH Aachen.
- technologische Veränderungen proaktiv zu begleiten. Technische Normen und Standards bleiben weiterhin wichtig. Die Diskussionen um passende E-Auto Ladestecker (Hardware) und reibungslos funktionierende Ladeprozesse via Plug & Charge (Software) zeigen dies.
- neue technische Lösungen im Bereich Digitalisierung der Gesellschaft fortwährend zu erklären. Gerade wenn es um sensible Themen wie Datenschutz und Datennutzung geht, muss Vertrauen geschaffen und so Bedenken genommen werden.
Auch beim Thema Regulatorik und den konkreten Zielbildern für die Digitalisierung der Netze kann sich die ETG mit ihrer großen Fachkompetenz proaktiv einbringen. Aufgrund meines internationalen Werdegangs werde ich bei meinem Engagement für die ETG weiterhin auch die Außenperspektive, vor allem aus unseren Nachbarländern Österreich und Schweiz, in die Diskussion mit einbringen.
Beruflicher Werdegang
2001-07 Studium der Technischen Kybernetik (Studienrichtung Energiesysteme) an der Universität Stuttgart, Vordiplom in Allgemeine Ingenieurwissenschaften an der TU Hamburg, Doppeldiplom-Studium (Elektrotechnik) an der SUPELEC, Paris
2007 Forschungsaufenthalt am California Institute of Technology (Caltech), Pasadena, USA
2007-08 Energieanalyst bei der Internationalen Energieagentur (IEA), Paris
2008-2016 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Power Systems Laboratory der ETH Zürich (Doktorand, Post-Doc, Oberassistent)
2012 Forschungsaufenthalte am Pacific Northwest National Lab (PNNL) und der University of California in Berkeley, USA
2014 Promotion an der ETH Zürich zum Thema „Operational Flexibility in Electric Power Systems”
2016-2020 Lehrbeauftragter (Dozent) für Elektrische Energiesysteme an der ETH Zürich
2014-2021 Mitgründer und Chief-Operation-Officer beim ETH-SpinOff Adaptricity AG, Zürich
seit 2021 Inhaber des Lehrstuhls für Aktive Energieverteilnetze am Institut für Elektrische Anlagen und Netze, Digitalisierung und Energiewirtschaft (IAEW) der RWTH Aachen
seit 2021 Gruppenleiter „Elektrische Energiesysteme“ am Fraunhofer-Zentrum Digitale Energie Aachen
Mitgliedschaften, Gremien
- Mitglied im VDE ETG Vorstand, gewählt für die Amtsperiode 2023–25
- Mitgliedschaft im VDE ETG (Regio Aachen), VDE Vertrauensdozent an der RWTH Aachen ab 2025
- Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der FGH e.V. seit 2022
- Vorstandsmitglied im Forschungscampus Flexible Elektrische Netze (FEN), RWTH Aachen, seit 2022
- Vizepräsident der Schweizerischen Energiestiftung (SES) seit 2016, Mitglied im Stiftungsrat der Schweizerischen Energiestiftung (SES) seit 2011
- IEEE/PES (Senior Member) und Electrosuisse