Medizintechnik und futuristisches Konzept. Arzt und modernen virtuellen Bildschirm-Schnittstelle Symbole.
SOMKID / stock.adobe.com
02.04.2025 Pressemitteilung

Medizintechnik als Schlüssel für eine verbesserte Gesundheitsversorgung: Politik muss handeln

Die Medizintechnik kann einen entscheidenden Beitrag leisten, die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu optimieren. Benötigt werden dazu bessere Rahmenbedingungen. In einem aktuellen Positionspapier fordert die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE DGBMT) die Politik auf, zentrale Schwachstellen anzugehen, die die Zukunft der Branche gefährden. Sie empfiehlt, eine verbindliche Standortstrategie aufzusetzen mit dem Ziel, die Bedarfe der Gesundheitstechnologie in der Versorgung und bei Reformvorhaben miteinzubeziehen.

(Frankfurt a. M., 02.04.2025) Deutschland zählt mit einer Vielzahl erfolgreicher Unternehmen zu den führenden Standorten der Medizintechnik. Um die Innovationskraft zu nutzen und Deutschlands Rolle als Vorreiter zu sichern, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und klinischer Forschung wesentlich. „Die Gesundheitsversorgung in Deutschland steht jedoch vor erheblichen Herausforderungen“, warnt die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE DGBMT). Dazu zählen steigende Kosten durch den demografischen Wandel, ineffiziente Strukturen im Gesundheitswesen, ein wachsender Fachkräftemangel oder auch die immer noch unzureichende Digitalisierung. Der DGBMT fordert von der Politik optimierte Rahmenbedingungen, um die Spitzenposition in der Medizintechnik langfristig behaupten zu können. Dazu hat die VDE DGBMT nun ein Positionspapier mit Forderungen an die Politik veröffentlicht.

Forschungstransfer stärken

In der Biomedizintechnik verfügt Deutschland über eine starke Forschung. Doch der Übergang von Innovationen in die klinische Praxis erfolgt noch zu langsam. Ein Grund sind die stetig steigenden regulatorischen Anforderungen, etwa die der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR). Um den Forschungstransfer zu beschleunigen, fordert das neue Positionspapier zeitgemäße Förderprogramme, die alle zulassungsrelevanten Anforderungen bereits während der frühen Entwicklungsphasen berücksichtigen. Diese Umsetzung von „Compliance-by-Design“ sichert den Forschungstransfer und sollte obligatorisch sein. Industrieunabhängige klinische Studien benötigen zudem mehr finanzielle Mittel, um neue Technologien schneller in die Praxis zu bringen.

Digitalisierung beschleunigen

Dazu kommt: Deutschland hinkt bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens noch immer hinterher. So gilt es unter anderem, eine konsequente Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) zügig voranzutreiben. Zukünftig sollten auch Daten von vernetzten Medizinprodukten integriert werden, um die Versorgung effizienter und sicherer zu gestalten. „Die Politik soll den sicheren Zugang zu Gesundheitsdaten für Forschung und Entwicklung gewährleisten und internationale Standards verbindlich umsetzen“, so das Positionspapier.

Innovationen fördern

Bürokratische Hürden und übermäßige Regulierung bremsen Innovationen in der Medizintechnik aus. Besonders betroffen sind kleine Unternehmen und Start-ups, die mit komplexen Zulassungsverfahren und hohen Dokumentationspflichten kämpfen. Die VDE DGBMT erachtet es als wichtig, diese Hürden abzubauen, Doppelanforderungen zu vermeiden und Förderprogramme praxisorientiert zu gestalten. Zudem sollte eine verbindliche Standortstrategie für Gesundheitstechnologien entwickelt werden, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu sichern.

Sicherheit und Resilienz gewährleisten

Wie fragil das Gesundheitssystem ist, zeigte die COVID-19-Pandemie. Globale Lieferketten, Cyberangriffe und der Fachkräftemangel bedrohen die Stabilität der Versorgung. Um die Resilienz des Systems zu stärken, fordert die VDE DGBMT, die Autonomie Deutschlands und Europas in Bezug auf die Produktion kritischer Güter durch gezielte politische Unterstützung zu stärken. Zudem gelte es, in die Ausbildung biomedizintechnischer Fachkräfte zu investieren und gezielte Reformen zur Krisenfestigkeit der Versorgung umzusetzen. Intelligente Lagerhaltungssysteme für kritische Medizinprodukte müssen etabliert werden, um Engpässe zu vermeiden.

„Wir appellieren an die Politik, diese zentralen Handlungsfelder zu adressieren und die Weichen für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung zu stellen“, sagt Prof. Dr. Karsten Seidl, Vorsitzender der VDE DGBMT. „Denn nur durch gezielte politische Maßnahmen können die Chancen der Medizintechnik optimal genutzt und die Herausforderungen des Gesundheitssystems erfolgreich gemeistert werden.“

Über die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE DGBMT) 

Die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE DGBMT) ist die wissenschaftlich-technische Fachgesellschaft für Medizintechnik in Deutschland. Sie wurde 1961 in Frankfurt am Main gegründet.  

Die DGBMT im VDE vernetzt Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der Technikanwendungen in der Medizin und bearbeitet das gesamte Themenspektrum der Biomedizinischen Technik. Sie veranstaltet Tagungen und Workshops für Fachpublikum und ist Trägerin von zwei internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften: Biomedical Engineering / Biomedizinische Technik und Current Directions in Biomedical Engineering des Verlags Walter de Gruyter. Positionspapiere, Stellungnahmen und Expertenbeiträge beleuchten unabhängig und neutral aktuelle Themen. Außerdem verleiht die DGBMT Förderpreise für wissenschaftlichen Nachwuchs, für wissenschaftliche Exzellenz und Innovationen und für Patientensicherheit in der Biomedizintechnik. Nicht zuletzt vertritt sie die deutsche Biomedizinische Technik in internationalen Gremien. 

Mehr Informationen unter www.vde.com/dgbmt  

Über den VDE

Der VDE, eine der größten Technologie-Organisationen Europas, steht seit mehr als 130 Jahren für Innovation und technologischen Fortschritt. Als einzige Organisation weltweit vereint der VDE dabei Wissenschaft, Standardisierung, Prüfung, Zertifizierung und Anwendungsberatung unter einem Dach. Das VDE Zeichen gilt seit mehr als 100 Jahren als Synonym für höchste Sicherheitsstandards und Verbraucherschutz. 

Wir setzen uns ein für die Forschungs- und Nachwuchsförderung und für das lebenslange Lernen mit Weiterbildungsangeboten „on the job“. Im VDE Netzwerk engagieren sich über 2.000 Mitarbeiter*innen an über 60 Standorten weltweit, mehr als 100.000 ehrenamtliche Expert*innen und rund 1.500 Unternehmen gestalten im Netzwerk VDE eine lebenswerte Zukunft: vernetzt, digital, elektrisch.  
Wir gestalten die e-diale Zukunft. 

Sitz des VDE (VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik e.V.) ist Frankfurt am Main. Mehr Informationen unter www.vde.com

Kontakt
Pressesprecherin
Downloads + Links

Interessiert an Health, Medizintechnik, MedTech?

Hand eines Arztes mit modernem PC-Interface
everythingpossible / Fotolia
09.10.2020

Der VDE ist die neutrale Informations- und Innovationsplattform für die Medizintechnik. Wir stehen für Sicherheit und Qualität, setzen Standards, vermitteln Technik und verbinden Forschung und Anwendung.

Weitere Inhalte zum Thema Medizintechnik finden Sie auf unserer Themenseite Health.

Zur Themenseite Health