Osram GmbH KG (Maschinenglaswerk)_Bild 1
2010/13 Norbert Gilson
17.07.2020

Osram GmbH KG (Maschinenglaswerk)

Nonnendammallee 44, 13629 Berlin-Siemensstadt

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VDE Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik
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Von Anfang an war das 1927/28 für Osram in der Berliner Siemensstadt neu errichtete Maschinenglaswerk eine Produktionsstätte von außergewöhnlich hoher Innovationskraft. Die 1928 in Betrieb genommene Anlage zur vollautomatischen Massenproduktion von Lampenkolben war die erste Anlage dieser Art auf dem europäischen Kontinent. Auch die Einführung der Quecksilberdampf-Hochdrucklampen mit Inbetriebnahme einer eigenen Quarzrohr-Ziehanlage 1937 war eine bedeutende Neuerung. Nicht zuletzt legte die 1968 aufgenommene Fertigung von Halogen-Metalldampflampen die Grundlage für die heute hier weiterhin verfolgte Hightech-Lampenproduktion.

Beschreibung


erbaut: 1927-28, 1931
Architekt: Waldemar Pattri

Mitte der 1920er Jahre war die Osram GmbH KG bestrebt, auch den für die Glühlampenherstellung wichtigen Vorerzeugnisbereich der Kolbenproduktion in der Nähe der Berliner Lampenwerke anzusiedeln. Nach dem Erwerb der Lizenz auf die Westlake-Patente wurde für die automatisierte Glaskolbenherstellung ein neues Werk geplant. In den Jahren 1927/28 entstand das Maschinenglaswerk in Siemensstadt. Diese Anlage zur vollautomatischen Massenproduktion von Lampenkolben war das erste Werk dieser Art auf dem Kontinent und wurde in den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut.
Bestandteil des Maschinenglaswerks war auch ein großes, gut ausgestattetes glastechnisches Laboratorium. Hauptarbeitsgebiet war die ständige Verbesserung der Glasqualität.

Ende der 1920er Jahre kamen hier auch die ersten, in den USA entwickelten Ivanhoe-Kolbenblasmaschinen zur Aufstellung. Mit der Einführung der innenmattierten Glühlampen kamen 1929 neue Aufgaben auf das Glaswerk zu. Für die rationelle Innenmattierung der Kolben wurden zwei Langlaufmaschinen aufgestellt. Eine weitere Neuerung war die Einführung der Quecksilberdampf-Hochdrucklampe Anfang der dreißiger Jahre. Für deren Kolben wurden Quarzröhren in großen Stückzahlen benötigt. Da die bisherige Fertigung in Handarbeit zu teuer war, wurde im Glaswerk eine eigene Quarzrohr-Ziehanlage entwickelt, die 1937 in Betrieb genommen werden konnte.

Um die Herstellung von Leuchtstoff- und Hochdruck-Entladungslampen zu konzentrieren, wurde Ende der 1960er Jahre mit dem Bau einer neuen Lampenfabrik auf dem Grundstück an der Nonnendammallee begonnen. In der neuen großen Werkhalle konnte der Produktionsfluss vom Ausgangsmaterial bis zum Endprodukt nun unter einem Dach vor sich gehen. Produziert wurden hier auch die Ende der 1950er Jahre zunächst von General Electric entwickelten und seit 1968 auch von Osram hergestellten  Halogen-Metalldampflampen. Seitdem die Fertigung von Glühwendeln im historischen Berliner »Werk B« Anfang der 1990er Jahre eingestellt worden war, konzentriert sich in Berlin die Hightech-Lampenfertigung in Spandau.

Die in den 1920er Jahren nach Entwürfen von Waldemar Pattri errichteten Bauten sind heute noch vorhanden: außer den Kolbenhütten A und B, dem Gemengehaus, dem Maschinen- und Kesselhaus, der Röhrenhütte und dem Generatorenhaus sind das Verwaltungs- und das Wohlfahrtsgebäude weitgehend erhalten.
 
Informationsstand: 31.12.2014
Schlagworte: Elektroindustrie; Industry
Stichworte: Ivanhoe-Kolbenblasmaschine; Quarzrohr-Ziehanlage; Quarzrohrziehverfahren; Quecksilberdampf-Hochdrucklampe; Waldemar Pattri; Osram GmbH KG; Maschinenglaswerk; Glühlampenherstellung; Kolbenproduktion; Westlake-Patente; Glaskolbenherstellung; vollautomatische Massenproduktion; Glastechnisches Laboratorium; innenmattierte Glühlampe; Innenmattierung; Langlaufmaschine; Quarzröhren; Leuchtstofflampe; Hochdruck-Entladungslampe; General Electric Co.; Halogen-Metalldampflampe; Hightech-Lampenfertigung

Quelle(n)

  • Anneliese Burghart (u.a.): 100 Jahre Osram - Licht hat einen Namen, München 2006
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Denkmaldatenbank, Eintrag 09085695

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